Dienstag, 12. Mai 2009

12.05. - Erinnerungen an das Erdbeben

Vor genau einem Jahr wurde die chinesische Provinz Sichuan von einem starken Erdbeben erschüttert. 70.000 Menschen sind dabei ums Leben gekommen oder verschüttet worden, 5 Mio Menschen sind dadurch obdachlos geworden.

Was vor einem Jahr dazu führte, dass in der Vor-Olympia-Berichterstattung auch mal ein gutes Haar an China gelassen wurde (aufgrund der gut organisierten Hilfsaktionen) und den Blick vom Tibet-Konflikt in eine andere Richtung gelenkt wurde, hat sich tief in das chinesische Gemeinschaftsbewusstsein gegraben. So gibt es aktuell, genau ein Jahr nach der Verwüstung, eine Vielzahl an Berichten, die über das Leben der Menschen berichten, die in der Region obdachlos geworden sind oder Familienangehörige verloren haben.

So sieht man im Fernsehen Geschichten von jungen Paaren, die ihr Kind verloren haben, nun aber neuen Nachwuchs erwarten, von einem Hochzeitspaar, dass sich vor den Ruinen ihres geplanten, gemeinsamen Eigenheims einfinden um dort zwischen den Trümmern ihre Hochzeitsfotos schiessen zu lassen oder von dem Waisenjunge, der bei dem Erdbeben seine Eltern verlor. Sehr bewegende Bilder und Berichte aus dieser Region, die immer noch verwüstet ist.

Heute früh sah ich dann die Bilder vom gestrigen Abend in Wenchuan Country, dem Epizentrum des Erdbebens, wo ein Monument errichtet wurde, um der Opfer zu gedenken und wo Hu Jintao, der chinesische Staatschef, in einem Staatsakt sein Mitgefühl ausdrückte.

Solch eine Berichterstattung habe ich in Deutschland noch nie erlebt...in Deutschland wird sensationshungrig zum Elend gegangen aber es wird selten gezeigt, wie es den Leuten denn später ergeht, wie sie ihre Existenz wieder aufbauen. Vielleicht ist das auch ein grosser Mentalitätsunterschied zwischen den Deutschen und den Chinesen...

Sonntag, 10. Mai 2009

Mein Geburtstag

Letzte Woche hatte ich ja Geburtstag (auf diesem Wege auch noch mal vielen Dank für die vielen Glückwünsche!). Und getreu der deutschen Lesart, habe ich hier auf der Arbeit am Nachmittag Torte ausgegeben. Als ich mit den Kartons der Bäckerei ins Büro kam, war ich dann aber doch etwas verwirrt: die Chinesen ignorierten diesen Umstand komplett. Selbst als ich anfing, die Torten auszupacken und die Tellerchen parat zu legen, wurde weiterhin stur auf den Bildschirm geguckt. In Deutschland hätte mich schon jeder zweite Kollege gefragt, wofür den der Kuchen sei und das es doch nicht notwendig gewesen wäre, und so weiter...aber hier musste ich doch ganz driekt jeden ansprechen :o) Aber dann war es doch noch ganz nett und wir haben uns ein wenig über die vergangenen Maifeiertage unterhalten.

Meine chinesischen Kolleginnen war gar nicht bewusst gewesen, dass ich Geburtstag hatte. Aber als es ihnen dann auffiel, wurde auch sofort was unternommen: ich wurde für den folgenden Abend zur Karaoke eingeladen! Am Dienstag ging es dann direkt nach der Arbeit mit meiner Cheffin aus dem Controlling sowie einer handvoll Kolleginnen zur Karaoke-Bar. Das ist hier ja nicht wie in Deutschland ein grosser Raum, sondern ein Komplex mit vielen unterschiedlich grossen Räumen, die man dann bucht. Essen sowie alkoholfreie Getränke sind ebenfalls inklusive. In meinen speziell gelagerten Sonderfall gab es sogar noch eine gratis Geburtstagstorte (aber erst, nachdem ungefähr jeder Mitarbeiter mal einen Blick auf meinen Pass geworfen hat, ob ich den tatsächlich gestern Geburtstag hatte!).

Und dann gings zunächst ans Essen und dann ans Singen...die englischen Lieder musste ich zwar fast immer alleine singen (mit meiner schrägen Stimme, und dann auch noch nüchtern! *Horror*) aber es war ein grosser Spaß!




Kurz vor 22h war aber auch der Spaß zuende, ich wurde in ein Taxi gesetzt und hab nun die Aufgabe, ein chinesisches Lied Karaoke-sicher zu beherrschen bis wir das nächste mal losziehen.

Shanghai

Über die Maifeiertage hat es Jan und mich diesmal nach Shanghai gezogen. So ging also am Mittwoch mein Flieger Richtung Shanghai, wo dann schon der Pick-Up-Service von unserem Hotel auf mich wartete. Unser Hotel war wirklich klasse: Eine Empfehlung von Jans Arbeitskollegen. Eine kleines Boutique Hotel, das gerade erst eröffnet hatte, nur über eine kleine Anzahl von Zimmer verfügte (die aber voll und ganz durch die Ausstattung und Optik überzeugten!) und wo wir an dem Wochenende scheinbar die einzigen Gäste waren, wodurch uns die volle Aufmerksamkeit des Personals gesichert war :o)

Am Donnerstag führte unser Weg zunächst zu dem Schneider, der uns von Katja und Sebastian empfohlen wurde. Dort wurden dann Anzüge und Hemden bzw. Blusen geordert, und danach konnte dann auch das Sightseeing-Porgramm beginnen: Gestartet haben wir am Bund, der Promenade, die einen Blick auf das moderne Pudong bietet, selber aber mit alten Gebäuden aufwartet. Der Blick war durch einen riesigen Bauzaun etwas getrübt, trotzdem haben wir es geschafft, ein paar schöne Bilder zu schiessen. Hier wurden wir dann auch von einer chinesischen Gruppe angesprochen, zunächst nur, damit wir ein Foto von ihnen machen, dann haben wir uns aber noch ein wenig unterhalten (wo wir herkommen, was wir so machen) und dann wurden wir gefragt, ob wir nicht Lust hätten, an einer Teeverkostung teilzunehmen. Da die drei nicht so wirkten, als wollten sie nur einen Touri-Nepp durchführen, haben wir "ja" gesagt und hatten dann eine sehr lustige Teeverkostung ( der eine hat für uns immer übersetzt, was die kleine Chinesin, die den Tee aufgoss, erzählte, und sage jedesmal "The beautiful woman said..." sehr lustig) Einige Tassen Tee spaeter, hiess es dann allerdings Abschied nehmen, da noch mehr auf unserem Tagesplan stand.



Und so machten wir uns auf nach Pudong und nutzten dafür den sogenannten "Sightseeing Tunnel". man fährt in einer kleinen Kabine durch den Tunnel, der wohl von Kunststudenten, die gerne mit bewusstseinserweiternden Drogen experimentieren, gestaltet: Klänge wie Unterwasser, bunte Leuchtstoffröhren, Blubbern und Rauschen, Aufblasfiguren...unbeschreiblich...unbeschreiblich schlecht! Man kann sich vorstellen, wie euphorisch wir waren, wo wir doch Retour gebucht hatten und wir später das Ganze nochmal erleben durften!

In Pudong haben wir uns dann zum Oriental Pearl Tower begeben, wohl das Wahrzeichen von Shanghai. Der Eintritt für alle Ebenen kostete unfassbare 15 Euro pro Person. Dafür ging's aber auch ganz nach oben mit einem tollen Blick über die Stadt. Ein kleines Highlight war für uns die Fahrt mit der Achterbahn, die in dem Tower steckt. Sie sah irgendwie verlassen aus, das Gatter zu, keine Menschen da. Jan wollte aber UNBEDINGT mit der Bahn fahren und guckte sich dann etwas genauer um und fand auch den Bediener des Ganzen. Somit kamen wir in den Genuß einer privaten Fahrt...seehr lustig!



Nach dem Oriental Pearl haben wir uns zum Jinmao Tower begeben, der in seiner Bauform an eine Pagode erinnern soll. Auch dort gibt es eine Aussichtsplattform, von der wir noch ein paar schöne Sonnenuntergangs-Aufnahmen machen konnten.


Dem Sightseeing für diesen Tag genug, sind wir zu einem japanischen Teppanyaki gegangen, wo wir uns den Tisch (und auch das Essen) mit einer Gruppe Franzosen teilten, die uns im Anschluss spontan eingeladen haben, sie mit zum Karaoke zu begleiten...gesungen haben wir zwar nicht, aber war doch sehr lustig!

Ursprünglich wollten wir einen Tag auch Shanghai verlassen und nach Suzhou fahren, das mit vielen kleinen Gärten ganz malerisch sein soll. Allerdings wurde uns von unserem Hotel davon abgeraten, da es aufgrund der Maifeiertage sehr voll sein würde. Also sind wir einen Tipp des Hotels gefolgt und waren in der Tian Zi Fang spazieren: eine kleine, verwinkelte Hutong-Gasse, in der sich kleine Gallerien, Geschäfte und Restaurants tummeln. Wirklich sehr schön und ein toller Tipp. Leider begann es dann noch zu regnen, weshalb weitere Sightseeing Aktivitäten ins Wasser fielen...weiterhin standen unsere Alternativ-Ideen an dem Tag unter keinem guten Stern (das ehemalige Wohnhaus von Mao war wegen Renovation geschlossen und das Museum total überrannt), so dass wir nen ruhigen Nachmittag in unserem Hotel genossen.

Desweiteren haben wir in Shanghai gesehen: den People's Square und die pulsierende Nanjing Road, den Jade-Buddha-Tempel sowie den Yuyuan Park mit den angrenzenden Bazaar. Touristisch- historisch hat Shanghai nicht allzu viel zu bieten, allerdings kann es durch sein westliches Flair echt überzeugen...

Krönender Abschluss für unseren Shanghai Besuch war für mich als Siemensianer natürlich die Fahrt im Transrapid zum Flughafen. Leider ist die Station, von der aus man startet, nicht wirklich zentral gelegen und man muss dort auch erstmal mit dem Taxi oder umständlich mit der Bahn hin. Aber von dort aus geht alles ganz schnell: rein in die Bahn, Abfahrt, einige Minuten später bei der Höchstgeschwindigkeit angelangt (431 km/h), dann schon wieder abbremsen und schon ist man am Flughafen!
Shanghai hat mir auch seeehr gut gefallen und ist auf jeden Fall eine Reise wert, nächstes mal werde ich mir dann aber auf jeden Fall die Zeit nehmen, die umliegenden Städte und Dörfer auch zu besuchen.
Fotos gibt's wie gehabt in meinem Webalbum.